Die Wohnungsknappheit bestimmt deutschlandweit die Schlagzeilen. Steigende Grundstückspreise und Mieten verdrängen Bewohner, Enteignungsdebatten werden geführt, Maßnahmen wie die Mietpreisbremse wirken nicht wie gewünscht. Vielerorts wird immer hitziger diskutiert. Zeit, den GWG-Vorstandsmitgliedern Ulrich Brombach (UB) und Stefan Zellnig (SZ) Fragen zu stellen.

Herr Brombach, Herr Zellnig. Was ist los?

UB: Bezahlbares Wohnen ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Die Menschen haben zunehmend Angst davor, sich das Wohnen zukünftig nicht mehr leisten zu können.

SZ: Diese Erkenntnis ist nunmehr auch vollumfänglich in der Politik angekommen.

Ist eine Enteignung oder Vergesellschaftlichung von Wohnungsunternehmen denn die Lösung des Problems?

UB: Nein! Das ist ein vollkommen falscher Weg. Hierdurch wird nur der Mangel an bezahlbarem Wohnraum verwaltet, Investitionen und Neubau werden ausgebremst. Wer wissen will, wie ein solcher Wohnungsmarkt aussieht, der muss nur auf den maroden und bankrotten Immobilienbestand der früheren DDR zurückblicken.

SZ: Für die Wohnungsgenossenschaften – und damit auch für unsere GWG – ist festzustellen, dass diese ohnehin ihren Mitgliedern und damit auch Mietern gehören! Wir brauchen also keine Eigentumsdebatte. Wer die Position von Mietern stärken will, muss Wohnungsgenossenschaften unterstützen.

 

Das Land Berlin will einen Mietpreis-Stopp für 5 Jahre beschließen. Entlastet das den Wohnungsmarkt oder die Mieter?

UB: Aus meiner Sicht ist das reiner Populismus. Es zeigt die Unfähigkeit des Berliner Senats, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um bezahlbaren Wohnraum in Berlin zu erhalten und zu schaffen. Das Ergebnis wird sein, dass sich mögliche Investoren zur Schaffung von gefördertem oder preiswertem Wohnraum aus Berlin zurückziehen.

SZ: Die Lösung sollte sein, Genossenschaften und anderen sozialverantwortlichen Wohnungsanbietern bezahlbare Bauflächen zur Verfügung zu stellen, damit preiswerter Wohnungsbau umgesetzt werden kann. Ein Mietendeckel schafft keine einzige neue Wohnung. Wir brauchen eine Ausweitung des Angebotes, um der Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum gerecht zu werden.

Und was heißt das für unser Bundesland und die Städte Neuss und Kaarst?

UB: Zum Glück sind wir in Nordrhein-Westfalen besser aufgestellt. Das Land stellt in diesem Jahr 1,3 Mrd. Euro für den geförderten Wohnungsbau bereit. Hiervon nehmen wir als GWG erhebliche Mittel in Höhe von 10 Mio. in Anspruch, um bezahlbaren Wohnraum zu verwirklichen. Auch die Kappungsgrenzen-Verordnung, welche die Mietpreise begrenzt, ist von der Landesregierung verlängert worden. Was seitens der öffentlichen Hand verbessert werden muss, ist der Zugriff von Wohnungsgenossenschaften auf bezahlbare Wohnungsbau-Flächen.

Heißt das: „Setzt mehr auf Genossenschaften, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern?“

UB: Ja, das ist eindeutig eine der richtigen Antworten, um den Problemen der Zukunft zu begegnen. Genossenschaften sind die unternehmerische Antwort auf eine Mietpreisbremse. Ganz konkret bedeutet das: Die GWG hat eine Durchschnittsmiete von 6,15 €/m². Im Vergleich hierzu liegt die durchschnittliche Marktmiete in den Städten Neuss und Kaarst bei 8,50 €/m².

SZ: Es lohnt sich, bei Genossenschaften zu wohnen und Genossenschaften zu fördern. Wir sind zum Glück in guten Gesprächen mit den Städten Kaarst und Neuss und konnten bisher auf bezahlbaren Wohnbauflächen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wenn die Politik das Wohnen als Daseinsversorge erkennt – und auch so handelt – sind wir zuversichtlich, dass die Grundstückspolitik der Kommunen hier Vorsorge trifft.

 

Was wäre für Sie wünschenswert?

UB: Anstatt über einen Mietpreis-Stopp sollte man über einen Baupreis- oder Energiekosten-Stopp reden. Aber jetzt im Ernst: Die Kostensteigerungen im Bau sind enorm und machen uns sehr zu schaffen. Damit wird es deutlich schwieriger, Wohnraum bezahlbar zu halten. Daher sind wir sehr dankbar, dass es Vereinfachungen im Bauordnungsrecht gibt und wünschen uns, dass jedes neue Gesetz und jede neue Verordnung, welche die Baukosten beeinflussen, kritisch überprüft werden. Auch die Genehmigungen für neue Bauvorhaben dauern sehr lange, Vorhaben werden immer komplexer geprüft. Manchmal hat man den Eindruck, dass man eine industrielle Großanlage plant und nicht einfach bezahlbaren Wohnraum. Das kostet sehr viel Zeit.