Betti Mainz und die Reuschenberger Tulpenstraße. Beide hatten sie einmal einen anderen Namen. Als Anwohnerin Betti Mainz noch Mehring hieß, trug die Straße, auf der sie wohnte, den Namen Heinz-Hilpert-Straße. Das und vieles andere änderte sich in den letzten 80 Jahren.

Zum Beispiel auch die Währung, mit denen Betti Mainz’ Vater Johann „Hans“ Mehring einst die Miete bezahlte. Im Jahr 1944 betrug diese 26 Reichsmark. Davon zeugt heute noch das „Quittungsbuch zum Nutzungsvertrag“ der GWG. Eingezogen waren die Mehrings in das Haus mit der Nummer 49 auf der späteren Tulpenstraße schon vorher: Erstbezug in die erste Etage, 34 Quadratmeter, mit zwei Erwachsenen und drei Kindern. „Dazu gehörte noch ein Keller und eine Waschküche“, erinnert sich Betti Mainz. „Alle 14 Tage wurde dort samstags gebadet. Dann wurde mit dem „Waschpännsche“ das Wasser heiß gemacht und anschließend stieg einer nach dem anderen in die Zinkbütt. Erst die Kinder, dann die Erwachsenen“, lacht sie. „Gebadet wurde übrigens meistens erst abends, dann hatten wir Kinder keine Möglichkeit mehr, uns vor dem „Zu-Bett-gehen“ wieder dreckig zu machen.“

 

Blumennamen und Garten

Nach dem 2. Weltkrieg wurde neben vielen anderen Straßen in Reuschenberg auch die Heinz-Hilpert-Straße umbenannt. Bis heute trägt der Straßenzug mit den Bäumen in der Mitte den Namen Tulpenstraße. An dem Garten hinter dem Haus änderte sich dagegen nichts. „Dort hielten wir Kaninchen und Hühner. Außerdem bauten wir viel Gemüse an, als Selbstversorgung sozusagen. Das mache ich übrigens heute noch. Bohnen, Weintrauben, Stachelbeeren und vieles andere mehr. Allein schon, um meinen Urenkeln zu zeigen, wie Obst und Gemüse wachsen.“

 

Spielplatz Tulpenstraße

Als Kind war Betti Mainz oft draußen unterwegs. „Hier wohnten ja viele Kinder. Die Tulpenstraße war quasi unser Spielplatz. Da gab es noch nicht so viele Autos wie heute. Schwimmen gelernt haben wir übrigens damals in der Erft am Wasserfall. Das ist dort, wo heute die Kajakfahrer üben. Unsere Puppenstuben haben wir früher aus Sand und Erde gebaut. Wenn es dann geregnet hat“, erzählt sie amüsiert, „mussten wir am nächsten Tag eine neue bauen. Wissen Sie, es waren arme, aber schöne Zeiten. Wir haben uns jeden Tag miteinander beschäftigt und draußen gespielt. Ich bin hier groß geworden und einfach verwurzelt.“

 

Einmal im Jahr ist Klassentreffen

Selbst als sie „nach Neuss geheiratet“ hat, wollte sie eigentlich nicht weg. „Ich habe mich immer hierhin zurückgesehnt. Vor knapp 20 Jahren konnte ich dann endlich wieder auf die Tulpenstraße zurückziehen, nur ein paar Häuser weiter von unserer ersten Adresse.“ Einmal im Jahr veranstaltet Betti Mainz mit ihren alten Klassenkameraden aus der Elisabeth-Schule ein Klassentreffen. „Dann telefoniere oder schreibe ich alle, die ich noch von früher kenne, an und wir sehen uns im Oktober im Café Zimmermann am Kinderbauernhof. Das ist immer schön.“

Wir wünschen weiterhin eine schöne Zeit – sowohl auf der Tulpenstraße als auch beim Klassentreffen!