GWG Mieter Ludwig Wingerath und seine Bilder. Angefangen hat alles in der Schule. Damals war der gebürtige Grevenbroicher Ludwig Wingerath 9 Jahre alt. Heute, rund 500 Bilder später, erfüllt ihn der Spaß am Leben und am Malen nach wie vor.

Im Februar 2018 ist Ludwig Wingerath mit seiner Frau in die fertiggestellte GWG-Wohnung an der Lützowstraße gezogen. „Da haben wir alles neu gemacht. Ich habe damals zu meiner Frau gesagt: wir fangen nochmal von vorne an. Die alte Einrichtung kam komplett weg und wir haben uns neue Möbel gegönnt“, erinnert sich der mehr als rüstige 82-Jährige. „Wissen Sie, wenn ich durch die Stadt gehe und ältere Menschen treffe, dann höre ich immer nur Klagen. Das bringt doch nichts. Man sollte im Alter keine Flappe ziehen, sondern durchstarten!“

 

Wenn, dann richtig

Das pflegt Ludwig Wingerath auch mit seinem Rennrad zu tun. Regelmäßig fährt er mittwochs und sonntags gemeinsam mit den Mitgliedern einer Hobby-Gruppe, die aus rund 20 Mann im Alter von Anfang 60 bis 85 Jahren besteht, Touren von bis zu 100 Kilometern. Für den täglichen Gebrauch und „normale“ Rad-Ausflüge nutzt er ein E-Trekkingbike. Die Räder stehen topgepflegt stets für die nächste Runde bereit.

Wenn Ludwig Wingerath etwas macht, dann macht er es richtig. So auch das Malen. Als Steppke begleitete er einen malenden Professor und trug ihm die Staffellage. Als dieser dann schließlich merkte, dass es dem kleinen Ludwig ernst zu sein schien mit dem Malen, brachte er ihm die grundsätzlichen Dinge, wie zum Beispiel die Farbenlehre, bei. „Ich begann, Gemüse zu malen. Nicht, weil ich Gemüse nun unbedingt gerne mochte, sondern weil man dabei unter anderem lernt, dass Grün nicht immer Grün ist.“ Den Großteil seiner Malfertigkeiten brachte sich Wingerath aber selber bei.

 

Hochgearbeitet bis zur Werksleitung

Obwohl für die Malerei in seinem Leben nicht immer die gewünschte Zeit zur Verfügung stand. „Wir lebten damals auf einem großen Hof, auf dem ich helfen musste. Den sollte ich später übernehmen, so wollten es meine Eltern.“ Als der Vater den Hof verlor, führte Wingeraths Weg zum Straßenbau. „Das war aber nichts für mich. Also habe ich mich hochgearbeitet, bin Lkw gefahren und verdiente mein Geld als Maschinist. Eines Tages habe ich im Betrieb aus einer Laune heraus eine Maschine blitzeblank geputzt und anschließend bemalt. Die hat danach in ihren Farben so geglänzt, dass der Chef aus dem Staunen gar nicht rauskam“, erinnert sich Wingerath. Nicht der einzige bleibende Eindruck, den er bei seinem Vorgesetzten hinterließ: als für den scheidenden Disponenten und stellvertretenden Werksleiter ein Nachfolger gesucht wurde, fiel die Wahl auf Wingerath.

 

Für Firmen und Privatleute

Das Malen begleitet ihn bis heute. 400 bis 500 Bilder, so schätzt er, hat er bislang in den verschiedenen Stilen kreiert. Festgelegt ist er bei seinen Motiven nicht: Landschaften, Menschen, Gebäude – es ist nahezu alles dabei, auch Bilder vom Neusser Bürger-Schützenfest und von St. Quirin. Die meisten hat er verkauft, einige an Einrichtungen gestiftet, manche an Liebhaber verschenkt. Seine Abnehmer sind Firmen ebenso wie Privatleute und über Preise kann man mit ihm immer reden. Ab 50 Euro geht es los.

Am 20. Juli, von 10.00 bis 18.00 Uhr stellt Ludwig Wingerath seine Bilder in ungezwungener Atmosphäre auf dem Garagenhof neben dem Gebäude Lützowstraße 5 aus. Vorbeischauen kann jeder, der auf seine Werke neugierig ist. Dazu wird es Kleinigkeiten zu essen geben, und auch dem Durst lässt Wingerath keine Chance. „Wenn ich das mache, dann machen ich das richtig“, sagt er. Typisch Wingerath.